Ist Laktat als alleiniger Parameter für die Leistungsfähigkeit ausreichend?
[05.12.2013]

Laktat ist nachwievor ein routinemässig abgenommener Marker zur Bestimmung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Zur alleinigen Aussage über die individuelle Leistungsfähigkeit ist Laktat aber nur bedingt geeignet.

 

 
Laktatleistungsdiagnostiken erfolgen im Rahmen sportartspezifischer Stufen- oder Rampenprotokolle.
 
Der Sportler durchläuft nach einer Ruhemessung unterschiedliche Stufen mit steigender Belastung. Beispielsweise beginnt auf dem Laufband ein Protokoll mit einer individuell angepassten Anfangsgeschwindigkeit, die nicht zu hoch ist. In regelmässigen Zeitabschnitten erhöht sich die Geschwindigkeit. Die jeweilige Stufendauer ist so gewählt, dass sich der Stoffwechsel hinsichtlich der Laktatproduktion auf einem Niveau einpendelt. Am Ende jeder Stufe wird aus dem Ohrläppchen ein Tropfen Blut entnommen, aus dem die Blutlaktatkonzentration (!) bestimmt wird. Wichtig zur Interpretation der Messwerte ist die Tatsache, dass sich Muskel- und Blutlaktatkonzentration unterscheiden! Mit steigenden Intensitäten erhöht sich entsprechend die Laktatkonzentration und es ergibt sich ein Kurvenverlauf, der mit zunehmender Intensität überproportional ansteigt.
 
Bei gut ausdauertrainierten Personen zeigt sich bei geringen Intensitäten vorerst ein Absinken des Ruhelaktatspiegels. Grund dafür ist, dass ausdauertrainierte Personen bei geringen Intensitäten vermehrt Laktat zur Energiegewinnung nützen. Somit übersteigt in diesen geringen Intensitätsbereichen der Laktatabbau die Laktatproduktion. Darum führt Auslaufen ("Cool-down") zu einer beschleunigten Regeneration!
 
Je nach angewandtem Stufenmodell kommt man durch die Zusammenhänge der Laktatkurve und des Herzfrequenzverlaufes zu den unterschiedlichen Intensitätsbereichen und Trainingszonen des Sportlers.
Grundlage ist die Annahme, dass Laktat das Stoffwechselendprodukt muskulärer Arbeit und somit der Energiebereitstellung ist. Unter dieser Annahme dient die Beschreibung der klassischen „Übersäuerung“ als Erklärung für eine auftretende Muskelermüdung und körperlichen Erschöpfung. 

Dieser Sachverhalt wurde allerdings in den letzten Jahren um weitere Erkenntnisse ergänzt und teils sogar widerlegt. Aktuelle Studien zeigen nämlich, dass Laktat nicht nur leistungshemmende Eigenschaften hat, sondern auch der Energiebereitstellung dienen kann. Der Körper transportiert Laktat zwischen Geweben und Zellen im Rahmen steuernder und regulierender Prozesse. Zusätzlich berücksichtigen aktuelle Ansätze der Leistungsbestimmung neben dem reinen Blutlaktatwert weitere Aspekte.

 

Bei der Beurteilung der Leistungsfähigkeit sind deshalb weitere Faktoren zu beachten!

 

• Die Laktatbildungsrate hängt, vereinfacht gesagt, mit der Ausdauerleistungsfähigkeit zusammen. Nachgewiesenermaßen produziert die Muskulatur von Ausdauersportlern bei gleicher Belastungsintensität im Regelfall weniger Laktat, als dies bei Untrainierten der Fall ist. Der Körper transportiert Laktat durch verschiedene Prozesse zu unterschiedlichen Geweben und Strukturen. Um die momentan benötigte Muskulatur möglichst zu entlasten, ist es vorteilhaft, wenn durch den erhöhten Blutfluss Laktat in Bereiche gelangt, wo es der Körper entweder puffert ("neutralisiert") und später abbaut oder weiterverarbeitet. So kann beispielsweise in Herz und Leber Laktat verarbeitet werden. Dies ist aus physiologischer Sicht ein wesentlicher Aspekt der Leistungsfähigkeit und Belastungstoleranz bei mittleren bis hohen Intensitäten. 

 

• Neben den rein physiologischen Aspekten spielt auch das subjektive Belastungsempfinden eine entscheidende Rolle. Beispielsweise ist die Toleranz hoher Laktatwerte schon rein aus Gründen der Disziplinspezifik bei Kurz- und Mittelstreckenläufern im Regelfall wesentlich besser ausgeprägt als bei Langstrecklern. Auch dieser Ansatz kann ein Teil der gesamten Trainingsstrategie sein und sollte nicht vernachlässigt werden. 

 

Sauerstoffaufnahme-Kohlendioxidabgabe Verhältnis (respiratorisches Äquivalent) gibt Mehrauskunft!

 

Vorab geschrieben, in der Routineleistungsdiagnostik wird Laktat auch in Zukunft als Belastungsparameter bestehen.

Allerdings sollte man die Interpretation der Laktat- und Herzfrequenzbelastungskurve nur in Verbindung mit einer gleichzeitig duchgeführten Atemgasanalyse (Spirometrie) treffen.

Atemgasanalysen liefern zusätzliche Parameter wie Atemfrequenz und -volumen. Gleichzeitig lassen sich die unterschiedlichen Anteile der Energiebereitstellungswege des Athleten über das Kohlenstoffdioxid-Sauerstoff-Verhältnis von Einatem- und Ausatemluft bei der jeweiligen Belastung bestimmen. 

 

Dieses Verfahren ermöglicht, in Verbindung mit der klassischen Laktatleistungsdiagnostik, zuverlässige Aussagen über den aktuellen Leistungszustand sowie eine individuelle und systematische Gestaltung des Trainings.

 

Persönlich sind wir abschliessend der Meinung, dass eine Leistunsgdiagnostik unter laufender EKG Kontrolle erfolgen sollte, da auch Veränderungen der Herzaktivität und -struktur in die Auswertung einzubeziehen sind.

In unserer Praxis erfolgt dies im Rahmen sportmedizinischer Untersuchungen und Attestierungen ohne Ausnahme vor Freigabe zum Wettkampfsport.

  

Bericht in Anlehnung an Ausführungen auf Trainingsworld Sportexperten Portal von Lutz Herdener, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Technischen Universität München

 


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© Dr. Christian Pegger